Vase mit Henkeln, Entwurf Robert Holubetz (Form) und Jutta Sika (Dekor), Ausführung Johann Loetz Witwe für E. Bakalowits Söhne, Dekor Opal Phänomen Genre 85/3982, 1901
nachträglich und fälschlich signiert mit “Louis C. Tiffany Favrile”
Lit.: A. Adlerova, E. Ploil, H. Ricke, T. Vlcek (Hg.), Loetz – Böhmisches Glas 1880-1940, Bd. 2, Katalog der Musterschnitte, München 1989, Musterschnitt Com. 85/3982, S. 292; vgl. A. Adlerova, E. Ploil, H. Ricke, T. Vlcek (Hg.), Loetz – Böhmisches Glas 1880-1940, Bd. 1, Werkmonographie, München 1989, S. 187, Nr. 200; J. Mergl, E. Ploil, H. Ricke (Hg.), “Lötz. Böhmisches Glas 1880 bis 1940“, Ostfildern-Ruit 2003, Nr. 123, S. 161; abgebildet in Das Interieur V, 1904, S. 5;
Der Formentwurf dieser Vase stammt von Robert Holubetz, einem der talentiertesten Schüler Koloman Mosers an der Wiener Kunstgewerbeschule. Die Formensprache der Vase ist exemplarisch für den frühen Wiener Sezessionsstil: ein weich geschwungener, bauchiger Körper mit langgezogenem Hals und frei geformten Henkeln. Dieser Entwurf gilt als Holubetz’ erfolgreichste Vasenform. Diese Vase zeigt die größte Variante dieses Entwurfs.
Bakalowits war bestrebt, ein und dieselbe Form mit unterschiedlichen Dekoren ausführen zu lassen, um sie in mehreren Preisklassen anbieten zu können. Der hier vorliegende Dekor Phänomen Genre 85/3890 gehört zur höchsten Preiskategorie, da seine Herstellung besonders aufwendig war. Den opalfarbenen Grund zieren dichte, unregelmäßige silbergelbe Fäden sowie ein einzelnes Band aus braunen Adern, die zu markanten, abgerundeten Spitzen hochgezogen sind.
Der Entwurf dieses Dekors stammt von Jutta Sika, einer der begabtesten Schülerinnen Koloman Mosers, die zwischen 1901 und 1902 die Kunstgewerbeschule unter Koloman Mosers besuchte.
Robert Holubetz (Gablonz/Böhmen 1880 – 20. Jhdt.) war ein Künstler des Wiener Jugendstils. Nach dem Besuch der Fachschule in Gablonz studierte Holubetz in den Jahren 1898 bis 1902 an der Wiener Kunstgewerbeschule, wo er einer der talentiertesten und bedeutendsten Schüler Koloman Mosers war. Wenn im Zusammenhang mit dem Wiener Jugendstil von der „Schule Kolo Mosers“ die Rede ist, sind auch Künstler wie Robert Holubetz gemeint.
An der Wiener Kunstgewerbeschule kamen den Schülern Mosers dessen Verbindungen und Zusammenarbeit mit etablierten Manufakturen zugute. So ließ er einen Teil der Glasentwürfe seiner Klasse über den Glasverleger Bakalowits von der böhmischen Glasmanufaktur Loetz produzieren. Moser legte dabei ganz im Sinne des Arts&Crafts-Postulats den Fokus auf radikale Formreduktion kombiniert mit modern-einfachen und zugleich wirkungsvollen Dekorationen. Robert Holubetz setzte diese Vorgaben in seinen Glasentwürfen meisterhaft um. Seine formstrengen Glasobjekte sind heute in der Fachliteratur gut dokumentiert.
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