Vase mit drei Henkeln, Robert Holubetz, Johann Loetz Witwe für E. Bakalowits Söhne, Dekor Syrius, um 1901
Lit.: vgl. Abbildung in Dekorative Kunst, Kunstblättersammlung MAK, Inv.-Nr. KI 7344-711; Lit.: A. Adlerova, E. Ploil, H. Ricke, T. Vlcek (Hg.), Loetz – Böhmisches Glas 1880-1940, Bd. 2, Katalog der Musterschnitte, München 1989, Musterschnitt Com 85/3931, S. 290
Der Formentwurf dieser Vase stammt von Robert Holubetz, einem der begabtesten Schüler Koloman Mosers an der Wiener Kunstgewerbeschule. Die Henkelvase überzeugt durch eine schlichte, zugleich elegante Silhouette. Ihre nach oben verjüngte Form mit seitlichen Applikationen nimmt deutlich Bezug auf Vasenentwürfe Mosers. Charakteristisch sind der schmale Hals mit waagerechtem Tellerrand sowie drei kleine, frei geformte Henkel, die Hals und Korpus verbinden und im heißen Zustand kunstvoll angeschmolzen wurden.
In Auftrag gegeben wurde die Vase vom Glasverleger E. Bakalowits, dessen Unternehmen um 1900 eng mit renommierten wie auch aufstrebenden Gestaltern der Wiener Kunstszene zusammenarbeitete. Die geschäftliche Verbindung zwischen Johann Loetz Witwe und E. Bakalowits Söhne erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte, wobei die kunsthistorisch bedeutendsten Entwürfe in den Jahren 1900 bis 1903 entstanden.
Auch dieses Exemplar ist dieser kreativen Hochphase zuzuordnen. Es trägt den Dekor Syrius, der um 1900 von Antoinette Krasnik – ebenfalls Schülerin Koloman Mosers – exklusiv für Bakalowits & Söhne entworfen wurde. Der Dekor besticht durch einen feinen Farbverlauf von grünlich-transparenten zu rosa-violetten Tönen. Diese moderne Farbgebung wurde bevorzugt auf Glasentwürfen aus dem Umkreis der Moser-Schule eingesetzt, etwa bei Arbeiten von Jutta Sika, Antoinette Krasnik und Robert Holubetz.
Robert Holubetz (Gablonz/Böhmen 1880 – 20. Jhdt.) war ein Künstler des Wiener Jugendstils. Nach dem Besuch der Fachschule in Gablonz studierte Holubetz in den Jahren 1898 bis 1902 an der Wiener Kunstgewerbeschule, wo er einer der talentiertesten und bedeutendsten Schüler Koloman Mosers war. Wenn im Zusammenhang mit dem Wiener Jugendstil von der „Schule Kolo Mosers“ die Rede ist, sind auch Künstler wie Robert Holubetz gemeint.
An der Wiener Kunstgewerbeschule kamen den Schülern Mosers dessen Verbindungen und Zusammenarbeit mit etablierten Manufakturen zugute. So ließ er einen Teil der Glasentwürfe seiner Klasse über den Glasverleger Bakalowits von der böhmischen Glasmanufaktur Loetz produzieren. Moser legte dabei ganz im Sinne des Arts&Crafts-Postulats den Fokus auf radikale Formreduktion kombiniert mit modern-einfachen und zugleich wirkungsvollen Dekorationen. Robert Holubetz setzte diese Vorgaben in seinen Glasentwürfen meisterhaft um. Seine formstrengen Glasobjekte sind heute in der Fachliteratur gut dokumentiert.
Beim Senden der Anfrage stimmen Sie unseren Datenschutzrichtlinien zu. Datenschutz
Dorotheergasse 13
1010 Wien
Montag bis Freitag: 10:00 – 18:00,
Samstag: 11:00 – 16:00
Telefon: +43 676 40 64 600
E-Mail: info@kolhammer.com