Tintenfass mit kauernder Meerjungfrau, Gustav Gurschner, um 1899, Bronze patiniert, gegossen, signiert
rückseitig am Rand signiert mit “GURSCHNER” und “DEPOSÉ”; auf der Unterseite markiert mit “Mod. No. 76”
Lit.: Originalfoto im Archiv Gustav Gurschner © Nikolaus Kolhammer, Wien, ANKGG0075
Gustav Gurschner entwarf einige Objekte für Studierzimmer, darunter auch Tintenfässer und Schreibsets. Der Jugendstil-Künstler kombinierte um die Jahrhundertwende häufig derartige Gebrauchsgegenstände mit figürlichen Darstellungen, insbesondere mit weiblichen. Dieses Tintenfass bietet dafür ein herausragendes Beispiel.
Eine Meerjungfrau kauert in nachdenklicher Pose auf einem Felsen. Der Meerjungfrauenschwanz windet sich in einer schwungvollen Kurve die Felslandschaft herab. Neben ihr liegt eine Amphora mit abnehmbarem Deckel, die als Tintenbehälter fungiert. Gustav Gurschner versteht es hier meisterhaft, einen Gebrauchsgegenstand in eine mythologische, kontemplativ wirkende Szenerie einzubetten. Dies steht durchaus in einer Linie mit den ästhetischen Idealen des Jugendstils: So übte die Figur der Meerjungfrau eine besondere Faszination auf Künstler um die Jahrhundertwende aus und spielte in den Bildschöpfungen etwa von Gustav Klimt und Alfons Mucha eine bedeutende Rolle. Als mythologisches Wasserwesen vereint sie Sinnlichkeit, Natur und Fantasie.
Dieses Tintenfass aus dunkel patinierter Bronze besticht durch seine feine Verarbeitung und die immanente Ruhe der figürlichen Darstellung. Mit höchster Virtuosität werden Funktion und Ästhetik verbunden.
Der gebürtige Tiroler Gustav Gurschner (Mühlendorf am Inn, Deutschland 1873 – 1971 Wien) war einer der bekanntesten österreichischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Er war Gründungsmitglied der Wiener Secession und langjähriger Präsident des Künstlerverbandes österreichischer Bildhauer. Da er mehrere Jahre in Paris lebte, kann man in seinem charakteristischen, naturbezogenen Stil einen deutlichen französischen Einfluss erkennen. Durch sein außerordentliches Talent und seine umfassende künstlerische Bildung schuf er eine Vielzahl an Denkmälern und Portraits, unter anderem den Königsobelisken in Veszprém, 1908, das Kaiserdenkmal von Hohenelbe vor 1916 oder ein Bildnis Königs Eduard VII. von England.
Beim Senden der Anfrage stimmen Sie unseren Datenschutzrichtlinien zu. Datenschutz