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Loetz: Von bescheidenen Anfängen zur Pariser Weltausstellung

Loetz Vasen haben eine lange Tradition, die sich seit dem 19. Jahrhundert mehrfach entwickelt hat und die Glaskunst selbst hat eine noch längere Geschichte. Schon im alten Ägypten, vor über 3000 Jahren, fertigten Glasbläser Vasen an, die den Loetz Vasen gar nicht so unähnlich sind. Die alten Ägypter produzierten Glas und Glasgefäße aus Quarz gemischt mit Pflanzenasche, in Öfen. Die meisten dieser Glasvasen wurden in blau, der Farbe des Nils, die Lebensquelle der Ägypter, hergestellt. Den Glasbläsern gelang aber auch die schwierige Herstellung von rotem Glas. Hier musste das Glas in einer Umgebung ohne Sauerstoff befeuert werden, damit das Kupfer nicht oxidierte und sich blau verfärbte. Die Herstellung von rotem und blauem Glas war bei den Ägyptern eine heilige Kunst. Das Rezept der Glasproduktion, war auch bekannt als ,,das Geheimnis der Pharaonen‘‘. Und wie der Name schon sagt, waren Glasvasen und Glasschmuck ausschließlich den Pharaonen vorbehalten.

Altägyptische und Römische Glasgefäße, Antikensammlung, Kunsthistorisches Museum Wien, um 200 v. Chr.

So wie bei der Herstellung von Loetz-Vasen Ideen, Themen und Motive aus der Natur übernommen wurden, wie zum Beispiel die Form von Blumenkelchen oder die Muster von Blüten und Pflanzenblättern, so haben auch die alten Ägypter Formen der Natur in ihren Glasgefäßen übernommen. Damals jedoch ähnelten die Muster eher Blättern, waren weniger bunt und wurden in den Farben beige, gelb oder braun gehalten. Aber der Grundgedanke der Ägypter war der gleiche wie der vieler Glaskünstler des 19. und 20. Jahrhunderts. Formen und Farben aus der Natur wurden übernommen und in Glaskunst eingefangen.

Im 19. Jahrhundert war der Historismus in der Glaskunst vorherrschend und auch bei Loetz dominierte zunächst der historisierende Geschmack. Erst viel später sollten sich einfachere Formen, von der Natur inspiriert, durchsetzen. 1879 übergab Susanne, Johann Loetz’ Witwe, die Firma an ihren Enkel, Maximilian von Spaun. Zusammen mit Eduard Prochaska modernisierte er die Firma und führte Innovationen und neue Techniken in die Glaskunst des Historismus ein. Zum Beispiel Intarsienglas, Oktopus Glas oder das sehr beliebte marmorierte Glas, welches das Aussehen von Edelsteinen imitierte.

Johann Loetz
Maximilian von Spaun, Der Enkel von Johann Loetz

Erfolge und Preise folgten in Brüssel, München und in Wien sowie auf der Weltausstellung in Paris im Jahr 1889. Allerdings blieb der ganz große Erfolg aus und bis heute sind die Loetz Glasvasen aus der Zeit des Historismus weniger gefragt und werden auch als weniger wertvoll gehandelt.

Es war 1897 als Maximilian von Spaun das Favrile Glas von Louis Comfort Tiffany zum ersten Mal in Böhmen und in Wien bewunderte. Dessen großer Erfolg blieb ihm nicht unbemerkt und er entschied sich dafür, dass der Art Nouveau Stil die Richtung war, in die sich auch Loetz weiterentwickeln sollte.

Die nächsten Jahre bis zur Jahrhundertwende sollten für Loetz die erfolgreichsten und künstlerisch spannendsten Jahre werden. Die Glasfabrik stellte eine neue Generation von Glasvasen her. Inspiration für diese Gefäßeq waren in der Natur selbst zu finden. Vasen wie Blütenkelche, angedeutete Blütenblätter oder mäandrierende Formen wie Flüsse schmückten das changierend bunte Glas. Fantasievolle Vasen, viele schimmernd wie Opal, entstanden zu jener Zeit.

Dekor Cytisus Neuroth, um 1901
Dekor Cytisus Neuroth im Detail

Durch die neue Stilrichtung arbeitete Loetz auch mit sehr bekannten KünstlerInnen zusammen, wie Franz Hofstötter, Josef Hoffmann und Koloman Moser. All jene kreierten Designs und Entwürfe für Loetz Vasen. Der Höhepunkt jenes Zusammenarbeitens war im Jahr 1900 als Loetz bei der Pariser Weltausstellung Geschichte schrieb. Neben Tiffany, Gallé, Daum und Lobmeyr gewann Loetz den Grand Prix. Die Firma erhielt die Auszeichnung für die Phänomen Genre-Serie, die hauptsächlich in Zusammenarbeit mit Hofstötter kreiert wurde.

Im Kunsthandel Nikolaus Kolhammer wurde zuletzt eine Loetz Vase, entworfen von Franz Hofstötter für eben jene Weltausstellung im Jahr 1900, angeboten und verkauft. Es ist das Ausstellungsphänomen Genre 387 ,,Rosa mit Silber‘‘. Diese Vase ist ein typisches Beispiel für Hofstötters Designs, da die Oberflächengestaltung von der Natur inspiriert ist. Alle Elemente, Erde, Luft und Feuer, welche für die Herstellung von irisierendem Glas vereint werden müssen, werden in der Vase dargestellt. Der Fuß der Vase, in dunkelbraun, ist in der Farbe der fruchtbaren Erde gehalten. Darauf folgen gewebte, fließende Fäden in silbern und hellblau, die sich mäandrierend an der Vase entlangwinden. Sie werden als Luft und Atmosphäre interpretiert und darauf folgen weitere orangene und rosa Fäden, die wie Feuer selbst auf der Vase zu sehen sind und ihr einen fast glühenden Eindruck verleihen.

Oberflächengestaltung der Weltausstellungsvase im Detail. Der Fuß ist in Erdtönen gehalten. Darauf folgen fließende, Atmosphäre-ähnliche Fäden
Ausstellungsphänomen Genre 387 ,,Rosa mit Silber‘‘

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