Sitzgarnitur Josef Hoffmann J. & J. Kohn Wien um 1908

SKU 1624 Schlagwort

Sitzgarnitur, Entwurf Josef Hoffmann, Ausführung J. & J. Kohn, Wien, um 1908, Buchenholz und Buchenbugholz, Messing

1908 bis 1909
Technik: Buchenholz und Buchenbugholz, schwarz/dunkelbraun gebeizt, politiert; nachträglich mit schwarzem Leder bezogen und neu gepolstert; Messing
Provenienz: Privatbesitz, Oberösterreich

Lit.: Giovanni Renzi, Il mobile moderno, Mailand 2008, S. 226-27 (Sessel) und 173 (vgl. Tisch); vgl. Markus Kristan, Kunstschau Wien 1908, Weitra 2016, S. 162 (Tisch); vgl. Jacob & Josef Kohn, Bugholzmöbel. Der Katalog von 1916, Nachdruck des Originalkatalogs, München 1985, S. 48 (Tisch); vgl. Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst, Jg. VII., Stuttgart 1908, S. 370 (Tisch); vgl. Die Kunst, Jg. X, Bd. 18, München 1908, S. 541 (Tisch);

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Beschreibung

Die Jugendstil-Sitzgarnitur, bestehend aus sechs Sesseln und einem runden Tisch, zählt zu den bedeutenden Beispielen von Josef Hoffmanns frühen Möbeldesigns. Die Sessel stammen aus der Serie Mod. 423 von Jacob & Josef Kohn und wurden ab 1909 gefertigt, nachdem sie bereits im Katalog von 1908 als erstes Modell der modernen Sektion erschienen waren. Der Entwurf erwies sich als außerordentlich erfolgreich – so sehr, dass Gebrüder Thonet im Jahr 1915 eine nahezu identische Serie produzierte. Die prominente Platzierung im Kohn-Katalog unterstreicht die Bedeutung dieses Entwurfs als wegweisendes Beispiel für die neuen gestalterischen Tendenzen der Zeit.
Der Tisch ist Teil einer Sitzgarnitur, die Hoffmann bereits 1906 entwarf. Noch im selben Jahr wurde das Modell bei Jacob & Josef Kohn unter der Nummer 421 in Produktion genommen und im Verkaufskatalog von 1907 erstmals präsentiert. Internationale Aufmerksamkeit erlangte das Ensemble, als Hoffmann es 1908 auf der Kunstschau Wien 1908 als Wohnzimmereinrichtung für ein „kleines Landhaus“ inszenierte. Auch auf der Internationale Ausstellung Buenos Aires 1910 fand die Garnitur große Beachtung.
Der Tisch selbst ist aus gebogenem und gebeiztem Buchenholz gefertigt und zeichnet sich durch eine klare, reduzierte Formensprache aus, die Hoffmanns charakteristische gestalterische Strenge widerspiegelt. Der Fuß ist mit einer Messingmanschette versehen, die einen für die Zeit typischen Hammerschlagdekor aufweist und dem Möbelstück eine subtile dekorative Note verleiht.
Wie der Kunstkritiker Ludwig Hevesi anlässlich der Kunstschau treffend formulierte: „Der Künstler soll auch mit der Maschine denken.“ Hoffmanns Zusammenarbeit mit J. & J. Kohn setzt diesen Gedanken exemplarisch um. Durch die konsequente Nutzung industrieller Fertigungsmethoden, insbesondere der innovativen Bugholztechnik, gelang es ihm, höchste künstlerische Ansprüche mit serieller Produktion zu verbinden und damit avantgardistische Gestaltung in den Kontext der modernen Industrie zu überführen.

Künstler

Josef Hoffmann (Pirnitz 1870– 1956 Wien), Mitbegründer der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte, war ein äußerst produktiver und vielfältiger Architekt und Entwerfer. Er hat im Laufe seiner Karriere mit diversen Formen, Techniken und Materialien experimentiert. Er erzielte in seinen Entwürfen eine starke Reduktion der Form auf das Essentielle und war Wegbereiter des geometrischen Jugendstiles. So entstand sein charakteristischer, geometrischer Stil. Der Umfang seiner Entwürfe geht von Gebäuden über gesamten Inneneinrichtungen, gemäß dem Konzept des Gesamtkunstwerks, bis hin zu kleinen Detailstücken des Alltags. Eines seiner wesentlichsten Werke ist das Palais Stoclet in Brüssel, ein Gesamtkunstwerk welches er unter anderem in Zusammenarbeit mit Gustav Klimt und Koloman Moser für einen wohlhabende Unternehmer zwischen 1905 und 1911 ausgeführte.

Ausführung

Die ursprünglich auf den Holzhandel spezialisierte mährische Firma Jacob & Josef Kohn erweiterte ab dem Jahr 1867 ihre Geschäftstätigkeit um die Produktion von Bugholzmöbeln. Bis zu dem Zeitpunkt hatte die Firma Gebrüder Thonet faktisch das Monopol für die Erzeugung von Bugholzmöbeln inne.

Bei dieser damals neuen Technik wurde Buchenholz unter Einwirkung von Dampf in die gewünschte Form gebogen und ermöglichte damit die serielle Produktion von modernen Gebrauchsmöbeln.

Mit der innovativen Idee, ihre Möbel von wichtigen Designern der Wiener Moderne entwerfen zu lassen, wurde J. & J. Kohn zu einem der stärksten Konkurrenten von Thonet. So beauftragte die Firma einige der angesagtesten Architekten der Zeit, wie z.B. Otto Wagner, Adolf Loos, Josef Hoffmann, Koloman Moser oder Gustav Siegel, mit dem Entwurf von Möbeln. Sie reüssierte damit mit ihren hochqualitativ ausgeführten Einrichtungsobjekten auf vielen Weltausstellungen (Weltausstellung in Wien 1873, Weltausstellung in Paris 1900, Internationale Ausstellung in Turin 1902, um nur einige zu nennen).

Ästhetisch ganz am Puls der Zeit, wurden die modernen Möbel von J. & J. Kohn beim zahlungskräftigen Bürgertum in ganz Europa und Übersee salonfähig. Der große internationale Erfolg war auch dem dichten Vertriebsnetz der Firma zu verdanken, mit Niederlassungen in allen wichtigen europäischen Metropolen.

Mit dem Firmenmotto „semper sursum“ (immer aufwärts) avancierte Jacob & Josef Kohn zu einem der erfolgreichsten Möbelproduzenten in der österreichisch-ungarischen Monarchie. Sitzgarnituren, Vitrinen und typische Jugendstil-Wohnaccessoires (Satztische, Blumensäulen, Etagèren, etc.) aus der Zeit bis ca. 1914 mit dem originalen Klebeetikett oder Brandstempel „Jacob & Josef Kohn, Wien“ sind heute weltweit begehrte Sammlerobjekte.

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Sitzgarnitur Josef Hoffmann J. & J. Kohn Wien um 1908 Buchenholz Buchenbugholz
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