Vide-poche mit stilisiertem Frauenkopf, Entwurf von Gustav Gurschner, Ausführung von A. Förster Wien, um 1899, Bronze, patiniert, Schmuckstein, markiert, signiert
signed on the outer side with “A. FÖRSTER, WIEN”, marked on the front with the company’s emblem “A. FÖRSTER WIEN”, signed inside the dish with “GURSCHNER”
Gustav Gurschner entwarf eine Reihe von Objekten für das Studierzimmer, darunter Tintenfässer und Schreibgarnituren. Um die Jahrhundertwende kombinierte der Jugendstil-Künstler funktionale Gegenstände häufig mit figürlichen Motiven, insbesondere mit weiblichen Darstellungen. Die vorliegende Schale, ein sogenanntes Vide-Poche, stellt ein herausragendes Beispiel für dieses gestalterische Konzept dar.
Dargestellt ist der Kopf einer schlafenden Frau, deren stilisiertes, spiralförmig gewelltes Haar die Form der Schale bildet. Ein Türkis ziert ihr Haupt und setzt einen farbigen Akzent, der in reizvollem Kontrast zur warm patinierten Bronze steht.
Das Stück diente als Vide-Poche, einer kleinen Ablageschale für Münzen, Schlüssel oder andere persönliche Gegenstände, oder alternativ als Federschale. Es vereint auf eindrucksvolle Weise Funktionalität und künstlerische Ausdruckskraft und veranschaulicht Gurschners Fähigkeit, Alltagsobjekte in sinnlich-symbolistische Kunstwerke zu verwandeln.
Der gebürtige Tiroler Gustav Gurschner (Mühlendorf am Inn, Deutschland 1873 – 1971 Wien) war einer der bekanntesten österreichischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Er war Gründungsmitglied der Wiener Secession und langjähriger Präsident des Künstlerverbandes österreichischer Bildhauer. Da er mehrere Jahre in Paris lebte, kann man in seinem charakteristischen, naturbezogenen Stil einen deutlichen französischen Einfluss erkennen. Durch sein außerordentliches Talent und seine umfassende künstlerische Bildung schuf er eine Vielzahl an Denkmälern und Portraits, unter anderem den Königsobelisken in Veszprém, 1908, das Kaiserdenkmal von Hohenelbe vor 1916 oder ein Bildnis Königs Eduard VII. von England.
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