Tischlampe “Nautilus”, Entwurf Gustav Gurschner, um 1899, Bronze, signiert
signiert per Hand “GURSCHNER”, “799”
Lit.: Originalfoto im Archiv Gustav Gurschner © Nikolaus Kolhammer, Wien, ANKGG0038; „Gustav Gurschner and His Work.“ The Artist: An Illustrated Monthly Record of Arts, Crafts and Industries, Amerikanische Ausgabe, Bd. 28, 1900, S. 81; Das Interieur. Wiener Monatshefte für angewandte Kunst, Bd. 2, [Hrsg. Von Ludwig Abels] Wien 1901, S. 169
Gustav Gurschner gehörte zu den führenden Bronzekünstlern des österreichischen Jugendstils. Tief fasziniert von den gestalterischen Möglichkeiten der damals neuen Lichtquelle Elektrizität, widmete er sich mit Begeisterung der Aufgabe, künstlerische Lösungen für diese neue Art der Beleuchtung zu entwickeln, die sich von herkömmlichen Leuchtmitteln unterschieden und zugleich ästhetisch ansprechend waren.
Ein herausragendes Beispiel für dieses Schaffen ist die Nautilus-Lampe, eine der ikonischsten Kreationen Gurschners. Die Lampe wurde um 1900 sowohl in Das Interieur als auch in dem Artikel „Gustav Gurschner and His Work“ (The Artist: An Illustrated Monthly Record of Arts, Crafts and Industries, Band 28, Amerikanische Ausgabe) vorgestellt. Darin heißt es bewundernd:
„Gurschner zeichnet sich besonders darin aus, Muscheln für elektrische Lampen zu verwenden. Die Wirkung der Nautilus-Lampe ist außerordentlich schön. Die breite, hohle Muschel wächst, sozusagen, aus den schlichten Linien der Frauenfigur heraus und wird durch die vielen zarten, perlmuttfarbenen Lichtreflexe zu einer grazilen Erscheinung.“
Gurschner verwendete eine große, natürliche Nautilus-Muschel als Lampenschirm und kombinierte sie mit der plastischen Figur einer Meerjungfrau. Dieses Motiv verbindet auf elegante Weise Naturform und Mythos: Der geschwungene Körper der Meerjungfrau windet sich in fließenden, organischen Jugendstillinien um den Lampenfuß, während die irisierende Perlmuttoberfläche der Muschel ein faszinierendes Spiel von Licht und Farbe erzeugt.
Die Nautilus-Lampe veranschaulicht Gurschners zentrales künstlerisches Prinzip. Wie es in dem zeitgenössischen Text heißt, bestand Gurschners große Kunst „ in der genialen Verbindung von Zweck und Schönheit. Er ist zu dem richtigen Schluss gekommen, dass die Form jedes Objekts durch seine Bestimmung gegeben ist, dass nichts, was lediglich als äußerer ‚Ornamentzusatz‘ hinzugefügt wird, schön sein kann, sondern dass die Schönheit eines Objekts aus seiner dienlichen Form entwickelt werden muss.“
Bereits zu ihrer Entstehungszeit international gefeiert, gilt die Nautilus-Lampe bis heute als einer der bedeutendsten Leuchtenentwürfe Gurschners und als ein exemplarisches Werk des Jugendstils sowie der frühen elektrischen Beleuchtungskunst.
Die hier gezeigte Lampe ist nicht elektrifiziert und besitzt weder Fassung noch Verkabelung. Eine nachträgliche Elektrifizierung ist auf Wunsch möglich.
Der gebürtige Tiroler Gustav Gurschner (Mühlendorf am Inn, Deutschland 1873 – 1971 Wien) war einer der bekanntesten österreichischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Er war Gründungsmitglied der Wiener Secession und langjähriger Präsident des Künstlerverbandes österreichischer Bildhauer. Da er mehrere Jahre in Paris lebte, kann man in seinem charakteristischen, naturbezogenen Stil einen deutlichen französischen Einfluss erkennen. Durch sein außerordentliches Talent und seine umfassende künstlerische Bildung schuf er eine Vielzahl an Denkmälern und Portraits, unter anderem den Königsobelisken in Veszprém, 1908, das Kaiserdenkmal von Hohenelbe vor 1916 oder ein Bildnis Königs Eduard VII. von England.
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