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Schreibset Karl Hagenauer um 1925

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Schreibtischset mit figuralen Ornamenten, Karl Hagenauer, Werkstätte Hagenauer Wien, um 1925, Messing gegossen, markiert

  • Höhe: 9cm, Breite: 35cm, Tiefe: 18.5cm
  • 1924 bis 1928
    Technik: Messing, gegossen und poliert
    Provenienz: Privatbesitz, London

    gestempelt mit “Hagenauer Wien”, “Hagenauer Wien Vienna”, und Papiermesser und Siegel nur gestempelt “Vienna”
    Lit.: vgl. Kopie aus Musterbuch der Werkstätte Hagenauer, Mod. Nr. 1038;
    vgl. zeitgenössisches Foto im Archiv Hagenauer im Museum für Angewandte Kunst MAK, Wien, Inv. Nr. HAF 614, HAF 615, HAF 731

    4.900,00 inkl. MWSt.
    SKU 1049 Tags ,
    Beschreibung

    Neben der Vielfalt an dekorativen Objekten, die von den Brüdern Hagenauer entworfen wurden, findet man auch reichlich Gebrauchsgegenstände, die mit ihrem einzigartigen Stil verfeinert wurden. Ein herausragendes Beispiel dafür ist dieses fünfteilige Schreibtischset mit floralen und figuralen Ornamenten. Um 1923 entwarf Karl Hagenauer verschiedene Objekte für die Wiener Werkstätte, die stark von seinem Lehrer Josef Hoffmann und auch von Dagobert Peche beeinflusst waren. Als er in den väterlichen Betrieb einstieg nutzte er diese Eindrücke und entwarf in seinem eigenen Stil Objekte in Elfenbein. Unser Schreibset ist eine spannende Hybris zwischen seinen Elfenbein- und seinen Messingarbeiten. Das Ornament des Reiters im dichten Wald, welches auf den Tintenfässern angebracht ist, stammt eigentlich von einer Elfenbeindose und wurde für diese Arbeit in Messing ausgeführt. Auch die Füße sind in einem von Dagobert Peche beeinflussten Blattwerk gehalten. Man sieht den Einfluss der Wiener Werkstätte auch in der Ausarbeitung des Schreibsets, diese ist nämlich von höchster handwerklichen Qualität.

    Künstler

    Karl Hagenauer (1898 – 1956) war ein österreichischer Metallkünstler und Designer, der zusammen mit seinem Bruder Franz die Werkstätte Hagenauer Wien führte. Gemeinsam haben sie mit ihren Gebrauchs- und Dekorationsobjekten aus Metall und Holz österreichische Designgeschichte geschrieben.

    Im metallverarbeitenden Betrieb seines Vaters Carl (1872-1928) hatte Karl Hagenauer schon früh die Möglichkeit, die kunsthandwerkliche Seite des Gürtlerhandwerks kennenzulernen.

    Seine Ausbildung erhielt er an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Franz Cizek, Oskar Strnad und Josef Hoffmann. Unterbrochen durch seinen Militärdienst im Ersten Weltkrieg schloss er das Studium im Jahr 1920 ab. Auf Initiative Josef Hoffmanns, lieferte er in den folgenden Jahre Entwürfe für die Wiener Werkstätte. Gerade in dieser Frühphase ist der Einfluss seiner Lehrer, insbesondere die ornamental-verspielte Formensprache Dagobert Peches deutlich erkennbar.

    Bald schon zeichnete sich bei Karl Hagenauer stilistisch eine Wende ab: die reine Ornamentik trat in den Hintergrund, reduzierte Formen wurden dominanter. Gerade im figuralen Segment entwickelte er nun einen eigenen, unverkennbaren Stil mit veränderten Proportionen und gelängten Gliedmaßen. Auch den bisher verwendeten Materialien wie Silber und Elfenbein gab er unedleren Metallen wie Messing, Alpaka und Kupfer den Vorzug. Konstant blieb aber die hohe kunsthandwerkliche Qualität der Objekte. Schöne Beispiele hierfür sind seine Entwürfe für Lampenfüße in Form von stark stilisierten Frauenakten oder die bekannte Tänzerfigurine der Josephine Baker aus den späten 1920er Jahren*. Auch seine exotischen Afrikanischen Tänzerinnen oder die drolligen Tierfiguren aus Holz vertrieb die Werkstätte Hagenauer mit Erfolg.

    Den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Zwischenkriegszeit bzw. des Zweiten Kriegszeit geschuldet, wurden in der Werkstätte Hagenauer zeitweise vorwiegend einfache aber dennoch hochwertige Gebrauchs- oder Dekorationsgegenstände aus Metall bzw. Holz gefertigt. Die Urheberschaft vieler dieser Entwürfe lässt sich heute nicht mehr eindeutig Karl oder Franz Hagenauer zuordnen.

    Karl Hagenauer verstarb 1956 und in Folge führte Franz Hagenauer die Werkstätte bis in die 1980er Jahre weiter.

    *vgl. Olga Kronsteiner in Monika Wenzl-Bachmeier (Hg.), Hagenauer. Wiener Moderne und Neue Sachlichkeit, Ausstellungskatalog Wagner:Werk Postsparkasse, Wien 2011, S. 38 und S. 67

    Ausführung

    Werkstätte Hagenauer Wien – stilistische Entwicklung und Bedeutung

    Die Werkstätte Hagenauer zählt heute, mit Recht, zu den bedeutendsten Kunstwerkstätten Österreichs des 20. Jahrhunderts. Die klare, strenge Formsprache, kombiniert mit dynamischen Posen und die Verwendung von Messing, vernickelt, patiniert oder blank, sowie Kupfer, Alpacca und Exotenholz, weist einen hohen Wiedererkennungswert auf.

    Doch bis die Brüder Karl und Franz ihren eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelten, sollte einige Zeit vergehen. Karl und Franz besuchten beide die Kunstgewerbeschule in Wien und lernten unter Josef Hoffmann, Oskar Strnad, Anton Hanak und Dagobert Peche.

    Bis zur Schließung der Werkstätte Hagenauer am 30. Dezember 1987 wurden noch Kunstobjekte von herausragender Qualität erzeugt. Die beiden Brüder Karl und Franz Hagenauer haben mit ihrem künstlerischen Vermächtnis sehr stark zur Bildung des Begriffes „Design“ in Mitteleuropa beigetragen und zählen mit Sicherheit zu den einflussreichsten österreichischen Künstlern des 20 Jahrhunderts.

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    Schreibtischset Karl Hagenauer Werkstätte Hagenauer Wien um 1925 Messing gegossen
    Schreibset Karl Hagenauer um 1925

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