Figürlicher Kerzenleuchter “Leuchterweibchen”, Gustav Gurschner, um 1901, Bronze patiniert, signiert
unten signiert mit “GURSCHNER” und “DEPOSÉ”, gestempelt “LMM” (Stempel La Maison Moderne)
Lit.: abgebildet auf einer zeitgenössischen Lithografie von Manuel Orazi für La Maison Moderne, um 1902;
Originalfoto im Archiv Gustav Gurschner © Nikolaus Kolhammer, Wien, ANKGG0065
Gustav Gurschner kombinierte um 1900 häufig Alltagsgegenstände mit figürlichen Darstellungen, insbesondere mit Frauenfiguren. Dieser von ihm als „Leuchterweibchen“ bezeichnete Kerzenleuchter bietet dafür ein prägnantes Beispiel. Die elegante weibliche Figur richtet ihren Kopf mit geschlossenen Augen und erhobenem Kinn nach oben. In aufrechter Haltung hält sie zwei Rundgefäße in den Armen, die als Kerzen- bzw. Lichthalterungen fungieren. Die Basis der Plastik bildet ein wallendes, mit feinem Faltenwurf ziseliertes Kleid, das knapp unter der Brust der Figur ansetzt und sich in einer schwungvollen Linie von oben nach unten zieht. Die besondere Sinnlichkeit der Figur steht in einer Linie mit den gestalterischen Idealen des Jugendstils. Aus dunkel patinierter Bronze gefertigt, besticht das „Leuchterweibchen“ durch seine virtuose Modellierung und die harmonische Balance zwischen Sinnlichkeit und Funktion. Die Plastik ist am unteren Rand von Gurschner signiert und trägt zusätzlich den Stempel „LMM“ – ein Verweis auf „La Maison Moderne“, ein 1899 durch den deutschen Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe gegründetes Geschäft für zeitgenössisches Kunsthandwerk in Paris. Durch seine Vermittlung und Verbreitung hochqualitativer Jugendstil-Objekte etablierte sich La Maison Moderne schnell zu einem stilprägenden Zentrum für Kunst und Design. Auf einem zeitgenössischen Plakat, vom italienischen Künstler Manuel Orazi um 1902 gestaltet, ist Gustav Gurschners „Leuchterweibchen“ prominent zu sehen.
Der gebürtige Tiroler Gustav Gurschner (Mühlendorf am Inn, Deutschland 1873 – 1971 Wien) war einer der bekanntesten österreichischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Er war Gründungsmitglied der Wiener Secession und langjähriger Präsident des Künstlerverbandes österreichischer Bildhauer. Da er mehrere Jahre in Paris lebte, kann man in seinem charakteristischen, naturbezogenen Stil einen deutlichen französischen Einfluss erkennen. Durch sein außerordentliches Talent und seine umfassende künstlerische Bildung schuf er eine Vielzahl an Denkmälern und Portraits, unter anderem den Königsobelisken in Veszprém, 1908, das Kaiserdenkmal von Hohenelbe vor 1916 oder ein Bildnis Königs Eduard VII. von England.
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