Luster mit Loetz Schirmen Koloman Moser PG 377 um 1901

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Salonluster mit Loetz Schirmen, Formentwurf der Schirme Koloman Moser, Ausführung Johann Loetz Witwe für E. Bakalowits Söhne Wien, Dekor Phänomen Genre 377 dunkelblau, um 1901, Messing, Glas, irisiert

  • Höhe: 86cm, Breite: 131cm, Tiefe: 86cm
  • 1900 bis 1904
    Technik: Messing, poliert; Glas, formgeblasen und frei geformt, reduziert und matt irisiert
    Provenienz: Privatbesitz, Deutschland

    Lit.: E. Ploil, H. Ricke u.a. (Hg.), „Loetz – Böhmisches Glas 1880-1940“, Band 2, Musterschnitte, München 1989, Musterschnitt 85/3832, p. 283; vgl. Abbildung eines Behälters für eine Blumenvase, entworfen von Josef Hoffmann, ausgeführt von Nawratil [wahrsch. Navratil] in: Das Interieur. Wiener Monatshefte für angewandte Kunst, Jg 1, Wien 1900, S. 132

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    Beschreibung

    Die klare, geometrische Formensprache dieses neunflammigen Jugendstil-Lusters ist ein charakteristisches Beispiel für das gestalterische Schaffen Koloman Mosers und verweist bereits auf jene formale Reduktion, die den Wiener Jugendstil entscheidend prägen sollte. Mit der konsequenten Geometrisierung der Konstruktion, der ausgewogenen Proportionierung und der Verbindung von Funktionalität und dekorativer Wirkung verkörpert der Entwurf jene modernen Gestaltungsprinzipien, die Moser um die Jahrhundertwende entwickelte und die zu den wegweisenden Leistungen der Wiener Kunstreform zählen.
    Besondere Bedeutung kommt den neun Glaslampenschirmen zu, die auf zwei Ebenen um den ringförmigen Messingkorpus angeordnet sind. Sie gehen auf einen Entwurf Koloman Mosers zurück, der durch einen im Loetz-Archiv erhaltenen Musterschnitt aus dem Jahr 1901 dokumentiert ist. Die Schirme sind im dunkelblauen Dekor Phänomen Genre 377 ausgeführt, das erstmals auf der Pariser Weltausstellung 1900 präsentiert wurde und die innovativen Oberflächenentwicklungen der Glasmanufaktur Johann Loetz Witwe einem internationalen Publikum bekannt machte. Mit seiner bewusst unregelmäßigen, rissigen Oberflächenstruktur stellte dieser Dekor einen radikalen Bruch mit den bis dahin üblichen Dekorvarianten dar und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der bekanntesten und erfolgreichsten Schöpfungen der Loetz-Manufaktur.
    Der Luster verkörpert exemplarisch die Synthese aus funktionaler Klarheit, höchster handwerklicher Qualität und dekorativer Raffinesse, die Koloman Mosers Entwürfe auszeichnet und ihn zu einem der bedeutendsten Gestalter des österreichischen Jugendstils machte.

    Künstler

    Als „Tausendkünstler“ prägte Koloman Moser die Wiener Kunstszene um 1900 wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation. Zunächst als Illustrator und Grafiker tätig, lieferte der vielseitige Designer in Folge zahlreiche Entwürfe für Möbel, Metallobjekte, Stoffe, Glas etc. und war künstlerisch auch als Maler tätig.
    Nach dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste und der Wiener Kunstgewerbeschule war Moser 1897 Gründungsmitglied der Wiener Secession. Er gestaltete die Vereinszeitschrift dieser progressiven Künstlervereinigung und war für deren Corporate Design verantwortlich (Kataloge, Ausstellungs-Disposition).
    Gemeinsam mit Josef Hoffmann und Fritz Waerndorfer gründete Koloman Moser 1903 die Wiener Werkstätte. Bis zu seinem Austritt im Jahr 1907 war er mit Hoffmann künstlerischer Leiter der Produktionsgemeinschaft, die die Durchdringung aller Lebensbereiche mit künstlerisch gestaltetem Kunsthandwerk im Sinne des Gesamtkunstwerks propagierte. Mit zahlreichen Entwürfen für die Wiener Werkstätte trug er wesentlich zur Aufwertung des zeitgenössisch-modernen Kunsthandwerks in Wien um 1900 bei.
    Ab 1900 unterrichtete Moser Grafische Gestaltung an der Wiener Kunstgewerbeschule und beeinflusste und förderte eine ganze Generation von KünstlerInnen und Designern. Entwürfe aus der Schule Koloman Moser wurden von renommierten Manufakturen ausgeführt, z.B. Backhausen, Bakalowits, Loetz, Portois & Fix, J. & J. Kohn etc.
    1905 trat Moser gemeinsam mit der Klimt-Gruppe aus der Secession aus und beteiligt sich 1908 prominent an der von der Gruppe organisierten, vielbeachteten Kunstschau in Wien.
    In den Jahren 1908 bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1918 lag der Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit auf der Malerei. Stilistisch übten dabei die Gemälde Ferdinand Hodlers großen Einfluss aus. Obwohl zu Lebzeiten nicht als Maler gefeiert, sind Mosers farbintensive, symbolistische Gemälde heute am Kunstmarkt sehr gefragt.
    Arbeiten Kolomans Mosers finden sich heute in den Sammlungen wichtiger Museen, wie etwa dem MAK und Leopold-Museum in Wien, oder in Internationalen Privatsammlungen, wie z.B. in der Neuen Galerie New York.

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    Salonluster mit Loetz Schirmen Koloman Moser Johann Loetz Witwe Dekor Phänomen Genre 377 um 1901 Messing Glas
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